Ein Neubau im Pliensauvorstadt-Quartier, direkt am Hang zum Neckar. Der Bagger steht, die Baugrube ist offen – und der Boden verhält sich anders als im Baugrundgutachten angenommen. Plötzlich steht Wasser in der Sohle, der Aushub rutscht nach. In Esslingen, wo die Geologie von ausgelaugtem Gipskeuper, tonigen Verwitterungsböden und quartären Neckarablagerungen geprägt ist, entscheidet eine belastbare bodenmechanische Untersuchung im Labor über die Sicherheit der Gründung. Wir betreiben ein nach DIN EN ISO 17892 akkreditiertes Prüflabor und analysieren Proben aus dem gesamten Stadtgebiet – vom historischen Kern mit seinen felsnahen Gründungen bis in die Auenlandschaft der Rems. Jede gestörte und ungestörte Probe durchläuft dabei einen definierten Prüfpfad: Klassifikation, Zustandsgrenzen, Kompressions- und Scherverhalten. Denn ein Baugrund ohne belastbare Kennwerte ist wie ein Statikmodell ohne Eingangsparameter.
Die Geologie Esslingens wechselt auf 50 Metern vom tragfähigen Schilfsandstein zum setzungsempfindlichen Auenlehm – ohne Laborprüfung fährt jeder Statiker im Blindflug.
Unser Ansatz
Lokaler geotechnischer Kontext
Im Prüflabor läuft der automatisierte Ödometerstand. Zehn Probenzellen gleichzeitig, jede mit Wegaufnehmern und Kraftmessdosen bestückt. Die Belastungsstufen werden nach DIN 18135 angefahren – 25, 50, 100, 200, 400 kN/m². Bei einer Probe aus dem Bereich der ehemaligen Neckarauen in Oberesslingen sehen wir bereits bei 200 kN/m² eine ungewöhnlich hohe Setzung. Die Konsolidierungskurve zeigt einen Steifemodul von unter 5 MPa. Solche Böden – organische Auenlehme mit Faulschlammanteilen – sind in Esslingen keine Seltenheit und reagieren extrem setzungsempfindlich. Ohne diese bodenmechanische Untersuchung wäre die Gefahr von differentiellen Setzungen und daraus resultierenden Rissbildungen im aufgehenden Mauerwerk immens. Wir dokumentieren jeden Prüfschritt lückenlos im Prüfbericht und bewerten die Ergebnisse nach Eurocode 7 (DIN EN 1997-2). Die Rückverfolgbarkeit vom Probenahmeprotokoll bis zum finalen Kennwert sichert die Qualität des gesamten Baugrundmodells.
Geltende Normen
DIN 4020: Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke, DIN EN 1997-2 (Eurocode 7): Erkundung und Untersuchung des Baugrunds, DIN 18196: Bodenklassifikation für bautechnische Zwecke, DIN EN ISO 17892: Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Laborversuche an Bodenproben, DIN 18137: Bestimmung der Scherfestigkeit (Rahmenscher- und Triaxialversuch)
Verwandte Dienstleistungen
Klassifikation und Zustandsgrenzen
Korngrößenverteilung nach DIN 18123 und Atterberg-Grenzen nach DIN 18122. Bodenansprache und Gruppenzuordnung nach DIN 18196 – die Basis jedes Baugrundmodells für Projekte am Neckarhang.
Scherfestigkeitsuntersuchungen
Rahmenscherversuch (DIN 18137-3) und Triaxialversuch (DIN 18137-2) zur Ermittlung von Reibungswinkel und Kohäsion. Entscheidend für die Standsicherheit von Baugrubenböschungen im Gipskeuper.
Kompressions- und Setzungsverhalten
Ödometerversuche nach DIN 18135 zur Bestimmung des Steifemoduls. Wir quantifizieren Setzungen und Konsolidierungszeiträume – unverzichtbar bei Auenböden in Oberesslingen.
Proctorversuche und Verdichtungskontrolle
Einfacher Proctorversuch nach DIN 18127. Referenzdichte und optimaler Wassergehalt für den Erdbau – wir liefern die Sollwerte für den Wiedereinbau von Aushubmaterial.
Typische Parameter
Häufig gestellte Fragen
Welche Laborversuche sind für ein Einfamilienhaus in Esslingen notwendig?
Für ein typisches Einfamilienhaus am Hang oder in der Neckaraue reichen meist Klassifikationsversuche (Korngrößenverteilung und Atterberg-Grenzen) sowie ein Ödometerversuch zur Setzungsprognose. Bei Hanglagen mit tiefen Baugruben empfehlen wir zusätzlich Rahmenscherversuche zur Ermittlung der Scherfestigkeit. Der genaue Prüfumfang richtet sich nach den angetroffenen Bodenschichten.
Wie lange dauert eine bodenmechanische Untersuchung im Labor?
Standardversuche wie Korngrößenanalyse und Zustandsgrenzen liegen in 3 bis 5 Werktagen vor. Ödometerversuche benötigen je nach Konsolidierungsverhalten 7 bis 10 Tage, Triaxialversuche 10 bis 14 Tage. Bei dringenden Bauvorhaben bieten wir Expressprüfungen mit priorisierter Bearbeitung an.
Was kostet eine bodenmechanische Laboruntersuchung?
Die Kosten für eine bodenmechanische Untersuchung in Esslingen liegen je nach Probenanzahl und Prüfumfang üblicherweise zwischen €2.520 und €4.980. Ein Basisprogramm mit Klassifikation und Setzungsversuchen für ein Einfamilienhaus ist im unteren Bereich angesiedelt, während umfangreiche Scherversuche und Triaxialtests für größere Bauvorhaben den oberen Bereich ausmachen.
Welche Normen gelten für die Laborversuche?
Sämtliche Versuche führen wir nach dem deutschen Regelwerk durch: Klassifikation nach DIN 18196, Korngrößenverteilung nach DIN 18123, Zustandsgrenzen nach DIN 18122, Ödometerversuch nach DIN 18135 und Scherversuche nach DIN 18137. Die geotechnische Kategorie und der erforderliche Prüfumfang richten sich nach Eurocode 7 (DIN EN 1997-2).
