Zwischen den Auenlehmen der Neckarwiesen und den verwitterten Lias-Tonen der Weinberge oberhalb der Pliensauvorstadt liegen geotechnisch Welten. In Esslingen treffen oft gering tragfähige, setzungsempfindliche Böden auf Hanglagen, die konzentrierte Lasten aus Wohn- und Gewerbebauten aufnehmen müssen. Eine belastbare Flachgründungsbemessung klärt, ob der anstehende Baugrund für Einzel- oder Streifenfundamente ausreicht oder ob Bodenaustausch nötig wird. Wir arbeiten dabei mit regionalen Bohrteams, die den Schichtenaufbau aus Keuper und Lias im Stadtgebiet kennen. Für Baugrund mit inhomogenem Aufbau kombinieren wir die Flachgründungsbemessung mit einer Korngrößenanalyse nach DIN EN ISO 17892-4, um Feinanteile und Verdichtungspotenzial präzise einzuschätzen. Die Bemessung selbst erfolgt nach EC 7-1 mit Teilsicherheitskonzept und berücksichtigt die spezifische Geologie der Esslinger Tallagen.
Die rechnerische Grundbruchsicherheit nach EC 7 liegt in den Hanglagen Esslingens oft unter 2,0 – erst ein Bodenaustausch mit Kiessand schafft den geforderten Sicherheitsabstand.
Unser Ansatz
Lokaler geotechnischer Kontext
Esslingen liegt auf 241 m ü. NHN und die historische Altstadt zieht sich über mehrere Hangstufen hinauf. Bei Flachgründungen auf den hier verbreiteten Tonsteinverwitterungsböden besteht das Hauptrisiko in ungleichmäßigen Setzungen, die zu Rissen in aufgehendem Mauerwerk führen. Ein zu optimistisch angesetzter Bettungsmodul ohne vorherigen Plattendruckversuch kann die Setzungsmulde um Faktor 1,5 bis 2 unterschätzen. In den Auenbereichen des Neckars tritt zudem saisonal schwankendes Grundwasser auf, das die effektive Spannung und damit die Tragfähigkeit reduziert. Die Bemessung muss den ungünstigsten Wasserstand berücksichtigen – das ist meist der Winterzustand nach längerer Niederschlagsperiode. Ein weiteres Risiko ergibt sich aus der Bebauungssituation: Bei Nachverdichtung im Bestand liegen oft alte Fundamentreste oder Auffüllungen im Baugrund, die ohne Baugrunderkundung nicht in der Flachgründungsbemessung abgebildet werden können. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme und Kernbohrung schafft hier Klarheit.
Geltende Normen
DIN EN 1997-1:2014-03 – Eurocode 7, Teil 1: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik, DIN EN 1997-2:2010-10 – Eurocode 7, Teil 2: Erkundung und Untersuchung des Baugrunds, DIN 4019:2015-05 – Baugrund – Setzungsberechnungen, DIN 1054:2010-12 – Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau, DIN 18134:2012-04 – Baugrund – Versuche und Versuchsgeräte – Plattendruckversuch, DIN EN ISO 17892-4:2017-04 – Laborversuche – Bestimmung der Korngrößenverteilung
Verwandte Dienstleistungen
Geotechnischer Bericht mit Flachgründungsbemessung
Vollständiger Bericht nach EC 7 mit Baugrundmodell, charakteristischen Bodenkennwerten, Grundbruch- und Gleitsicherheitsnachweisen sowie Setzungsberechnung für Streifen- und Einzelfundamente. Inklusive Angaben zum erforderlichen Bodenaustausch und zur Bewehrungsführung der Bodenplatte.
Baugrunderkundung für Flachgründungen
Ausführung von Rammsondierungen, Drucksondierungen und Kernbohrungen im Stadtgebiet Esslingen. Entnahme gestörter und ungestörter Proben für das Labor. Dokumentation der Schichtenfolge nach DIN 4023 mit Angabe von Lagerungsdichte und Konsistenz.
Plattendruckversuche auf Gründungspolster
Qualitätssicherung des Bodenaustauschs durch statische Lastplattendruckversuche nach DIN 18134. Bestimmung des Verformungsmoduls Ev2 und des Verhältnisses Ev2/Ev1 als Verdichtungskontrolle vor der Fundamentbetonage.
Typische Parameter
Häufig gestellte Fragen
Wann ist in Esslingen ein Bodenaustausch für eine Flachgründung erforderlich?
Ein Bodenaustausch wird nötig, wenn die anstehenden Tone oder Auenlehme nicht die geforderte Tragfähigkeit erreichen – das ist in Esslingen bei steifplastischen Tonen der Lias-Verwitterung häufig der Fall. Entscheidend ist die Sohlspannung aus dem Bauwerk: Überschreitet sie den Bemessungswert des Baugrundwiderstands, ersetzen wir den weichen Boden durch verdichtungsfähiges Kiessand-Material. Die Einbautiefe richtet sich nach der Lastausbreitung und liegt meist zwischen 0,60 m und 1,20 m unter Fundamentsohle.
Wie hoch sind die Kosten für eine Flachgründungsbemessung mit Baugrundgutachten in Esslingen?
Für ein Einfamilienhaus oder ein kleines Mehrfamilienhaus in Esslingen bewegt sich der Aufwand für Baugrunderkundung, Laborversuche und den geotechnischen Bericht mit Flachgründungsbemessung in einem Rahmen von etwa €1.460 bis €3.020. Der genaue Betrag hängt von der Anzahl der Sondierungen, der erforderlichen Labortests und dem Umfang der statischen Nachweise ab. Bei Hanglagen mit Gleitsicherheitsnachweis kann der Aufwand im oberen Bereich liegen.
Welche Bodenkennwerte fließen in die Flachgründungsbemessung ein?
Die Bemessung nach EC 7 verwendet den charakteristischen Reibungswinkel φ'k, die charakteristische Kohäsion c'k, die Wichte γ und den Steifemodul Es. Diese Werte leiten wir aus Rahmenscherversuchen, Triaxialversuchen und Kompressionsversuchen nach DIN EN ISO 17892 ab. Für die Setzungsberechnung ist der spannungsabhängige Steifemodul maßgebend, den wir aus Drucksondierungen und Ödometerversuchen rückrechnen.
Muss bei einer Flachgründung in Esslinger Hanglage die Gleitsicherheit nachgewiesen werden?
Ja, sobald die Geländeneigung mehr als 5 Grad beträgt oder die Fundamente auf einer Böschungsschulter stehen, fordert das Baugrundgutachten einen rechnerischen Gleitsicherheitsnachweis. In den Hanglagen von Oberesslingen oder Serach ist das fast immer der Fall. Der Nachweis erfolgt mit charakteristischen Scherparametern und berücksichtigt die Sohlreibung zwischen Fundamentbeton und Baugrund nach DIN 1054. Mehr Info.
